HEIMAT: Leckere Brote, die zusammen bringen

Christian Morgenstern schrieb einst: „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.“ Verstanden werden wollen wir alle – unsere Gesellschaft macht es aber nicht jedem so einfach. Menschen mit Behinderungen stoßen oft auf Unverständnis oder auch Ablehnung. Das Projekt HEIMAT widmet sich der Inklusions-Problematik und versucht Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen zu bringen. HEIMAT soll Verständnis schaffen und Berührungsängste abbauen.


Heimat Inklusion Brot

Das Projekt: Ein Pausenwagen

Für das Projekt wurde ein einfacher Imbisswagen in einen hübschen Verkaufswagen umgebaut, der diesen Sommer auf zahlreichen Festen rund um Nürnberg zu finden war. Verkauft werden hier mittels Kreuzchen-Liste leckere und reichhaltig belegte Brote. „Bei uns gibt es leckeres, frisches und gesundes Essen, verbunden mit einer wertvollen Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Der Gast kann sich bei uns aus verschiedenen Brotsorten, Aufstrichen und Toppings seine persönliche Kombination zusammenstellen.“

Auf Straßenfesten oder Festivals soll so eine breite Zielgruppe mitten im Alltag angesprochen werden, um eine unaufdringliche und entspannte Atmosphäre zu schaffen und gleichzeitig Berührungsängste abzubauen.

Das Bestellsystem ist dabei recht simple: Mittels bebilderter Liste kann der Gast sein Wunschbrot zusammenstellen. „Das besondere an unserem Produkt ist die individuelle Kombination; dass sich der Gast sein Brot selbst zusammenstellen kann. Das funktioniert am besten über den Ankreuz-Zettel. Außerdem ist das ein bewährtes System in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Denn mit dem Ankreuz-Zettel vor Augen ist das Brot leichter herzustellen – die Icons helfen dabei sehr.“

So sieht der Bestellschein aus.

So sieht der Bestellschein aus.

Inklusion: Ein wechselseitiger Prozess

Immer noch schließt unsere Gesellschaft Menschen mit Behinderung an vielen Stellen aus. Inklusion heißt, Menschen mit Behinderung nicht auszugliedern, sondern aktiv einzubinden. „Aktuell gibt es unserer Meinung nach zu wenig Berührungspunkte zwischen Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag. Viele Inklusionsmaßnahmen beschäftigen sich wiederkehrend mit der gleichen Zielgruppe. Dabei gibt es eine große Anzahl an Menschen, die eine grundsätzliche Offenheit für eine Begegnung mit sich bringen, für die es aber keine attraktiven Maßnahmen gibt. Viele soziale Unternehmen stellen ausschließlich den Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt aller Maßnahmen und berücksichtigen nicht die Berührungsängste oder Vorurteile der anderen Menschen.“ Hier setzt HEIMAT an und möchte Menschen ohne Behinderung ansprechen: Sie sollen in einer alltäglichen Situation – wie dem Bestellen einer Mahlzeit – ihre Angst vor dem Ungewohnten verlieren und erleben, dass auch Menschen mit Behinderung höfliche, freundliche und aufgeschlossene Personen sind.

HEIMAT soll dabei auch andere inspirieren und Vorbild sein dafür, wie Inklusion funktionieren kann: „Statistiken zeigen das 9 von 10 Paaren sich für eine Abreibung entscheiden, wenn bei ihrem ungeborenen Kind Trisomie 21 diagnostiziert wird. Laut Befragungen können sich viele dieser Paare nicht vorstellen, dass ein Mensch mit einer Behinderung ein glückliches Leben führen kann. Durch das HEIMAT Projekt können wir zeigen, dass ein Leben mit Behinderung absolut lebenswert ist.

Wir wollen zum Referenzprojekt für erfolgreiche moderne Inklusion werden und Vorbild für andere sein. Unsere Gesellschaft ist bereit und offen für Inklusion, das erleben wir beim Einsatz unseres Wagens. Jetzt müssen wir sie durch vielfältige Maßnahmen erreichen. Wir möchten soziale Träger dazu inspirieren, neue Wege zu gehen und somit noch mehr Menschen zu erreichen.“

Und was kommt aufs Brot drauf?

Brot muss nicht langweilig sein...

Brot muss nicht langweilig sein…

Dass das Projekt HEIMAT heißt, war eine bewusste Entscheidung und soll jedem das Gefühl von „bei Freunden zu Hause“ geben. Der Gast kann neben einer Eigenkreation auch aus Belag-Vorschlägen wählen. Besonders beliebt: fränkisches Schäuferle! Auf Hochdeutsch: Schweinebraten aus der Schulter mit lecker Kruste! Aber auch Rote Beete mit Ziegenkäse und bunten Sprossen sowie Süßkartoffeln mit Bacon und Koriander sind beliebte Brotkombis am Stand HEIMAT. Geheimfavorit ist das Tahini-Pilze-Brot mit Granatapfel, Bacon und Koriander. Beim Brot nehmen die meisten dankbar saftiges Dinkelvollkornbrot – Weißbrot dagegen findet keine große Beachtung.

Und wann kommt der Truck zu uns?

Da bislang alle im Team ehrenamtlich arbeiten, waren die Einsätze diesen Sommer erste Schritte, um das Projekt bekannter zu machen. Nun im Herbst soll geguckt werden, wie es weitergehen kann. HEIMAT selber würde gerne zu einer festen Einrichtung werden, etwa mit einem buchbaren Catering, Einsätzen auf Festivals oder auch einem festen Café oder Take-Away. „Aber das würde nur funktionieren, wenn wir eine volle Stelle finanziert bekommen. Denn der Betreuungsaufwand ist so hoch, das sich die Personalkosten nicht allein durch die Einnahmen decken lassen.“

Auf Facebook könnt ihr verfolgen, wie es mit dem Projekt weitergeht: Facebook – oder ihr gut auf ihrem Tumblr vorbei.

Wir drücken fest die Daumen, dass das klappt – tolle Idee!

Bilder: Prima – Verein für nachhaltige Konzepte e. V.

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