Hochzeit auf Bayrisch

Heiraten im bayrischen Stil wird in Süddeutschland immer beliebter. Kein Wunder, denn so eine zukünftige bayrische Hochzeit ist dank der vielen besonderen Bräuche nicht nur für das Hochzeitspaar, sondern auch für die Gäste ein ganz besonderes Erlebnis. Wir haben uns mit zwei Hochzeitsprofis aus Süddeutschland unterhalten: Sofie Windsperger, Hochzeitsplanerin, und Sylvia Bentele, Hochzeitsfotografien, erklären uns im Interview, was es bei einer bayerischen Hochzeit zu beachten gibt und verraten die Top-Locations.

Paar in Tracht küsst sich

Liebe auf Bayrisch: auch bei ihrer Hochzeit setzen viele Paare aus Bayern auf Tradition.

Heiraten nach bayrischer Tradition

Klar, wir Bayern wissen einfach, wie man Feste feiert! Nicht umsonst geht das weltbekannte Oktoberfest auf die prunkvolle Hochzeit des bayrischen König Ludwig I. mit seiner Therese zurück. Also warum nicht ganz „auf bayrisch“ heiraten? Immer mehr Paare entscheiden sich für eine traditionsreiche Hochzeit und sorgen so dafür, dass ihre Trauung unvergesslich bleibt – auch bei den Gästen. Denn schließlich ist eine bayrische Hochzeit nicht nur für waschechte Bayern ein echtes Highlight. Doch zwischen den vielen heimischen Heiratsbräuchen, einem gelungenen Trachtenlook und einer urigen Location gibt es einiges zu beachten. Aus diesem Grund haben wir den Hochzeitsprofis Sofie Windsperger, einer Hochzeitsplanerin („Love Weddings“) im Großraum München und Kitzbühel, und der Münchner Hochzeitsfotografin Sylvia Bentele ein paar Fragen rund um die perfekte bayrische Trauung gestellt.

Tradition und Moderne vermischen

Wie besonders bayrische Hochzeiten sein können, weiß auch Sylvia Bentele: „An Hochzeiten in Tracht oder in bayerischen Traditionsgaststätten, auf Almen und Personen wie Hochzeitslader, wird -Gott sei Dank – festgehalten! Und erfahrungsgemäß sind es die lockersten und lustigsten Hochzeiten. Ich mag sie sehr!“ Und sie weiß wovon sie spricht: mit ihrer jahrelangen Erfahrung hat sie bereits die ein oder andere bayrische Hochzeit miterlebt. „Meistens sind es Paare, die auch sehr tief mit Ihrer bayerischen Heimat und der Region verwurzelt sind. Paare, die in den örtlichen Vereinen aktiv sind und dadurch auch große Freundeskreise haben. Vom Alter ist das aber völlig unabhängig“, sagt sie.

Aber auch Hochzeitsplanerin Sofie Windsberger hat schon bayrische Hochzeitswünsche erfüllt: „Eines meiner Paare aus dem Münchner Umland wünschte sich viele ausgewählte bayerische Bräuche. Wir haben uns nach einiger Überlegung für das „Baumstammsägen“ und die – etwas entschärfte -„Brautentführung“ entschieden und sie als kleine Highlights in den Hochzeitstag integriert.“

Mit Humor nehmen: Bayrische Hochzeitsbräuche

Gerade die typischen Bräuche machen eine bayrische Hochzeit zu etwas besonderem. Baumstammsägen und Brautentführung sind nur zwei Beispiele. Wichtiger Teil ist auch der Hochzeitslader. Er hilft bei der Organisation und Durchführung der Trauung, bringt sich aber auch am Tag selbst aktiv mit in die Feier ein und gibt dabei den lustigen Unterhalter. „Man kann sagen, er ist der bayerische Wedding Planner – wobei meine Kollegen und ich die Fäden eher dezent im Hintergrund ziehen“, erklärt Sofie. „Ich finde es sehr schön, wenn enge Freunde in den Hochzeitstag mit eingebunden werden und mitwirken können – deshalb gefällt mir auch der Brauch des „Kranzlpaars“ sehr gut“, meint die Hochzeitsplanerin. Das Kranzlpaar fungiert ähnlich wie der Hochzeitslader: ein lediges Paar aus dem Freundeskreis kümmert sich am Hochzeitstag um unterschiedliche Aufgaben, die nicht von den Trauzeugen übernommen werden und in erster Linie der Unterhaltung dienen, wie beispielsweise Autoschleifen verteilen oder nach dem Eröffnungstanz als erstes Paar auf die Tanzfläche gehen.

Für besonders gute Stimmung sorgt allerdings laut der Expertin auch der „Maschkern“-Brauch: „Eine gut gemachte Maschkern Aufführung von nahestehenden Freunden kann unheimlich viel Spaß machen, die Stimmung auflockern, aber auch für Gänsehautmomente – im positiven Sinn – sorgen“, verrät sie. Bei diesem Brauch geht es darum, dass junge Leute und Freunde aus Vereinen und aus dem Heimatort sich verkleiden und auf der Hochzeitsfeier amüsante Geschichten aus dem Leben der Brautleute erzählen. Der Erzähler der Geschichten ist traditionell als Harlekin verkleidet und die Anderen stellen mit Kostümen und Masken die Handlungen nach, die vom Harlekin erzählt werden.

Sylvia erzählt uns im Interview von weiteren Bräuchen: „Die Stimmung ist meist am ausgelassensten beim Brautverziehen, wenn G’Stanzl (bayrisch-österreichische Liedform, Anm. d. R.) zum Besten gegeben werden und der Bräutigam auf dem Holzscheit seine Frischangetraute zurück erobern muss. Manchmal stehen dann auch Aufgaben wie ‚Schuhplatteln‘ für den Bräutigam und seine Spezln auf dem Programm.“

Vorsicht vor zu viel Tradition

Aufgrund ihrer Erfahrung warnt Hochzeitsplanerin Sofie allerdings auch vor zu viel Eifer: „Gerade wenn man sich für eine Brautentführung entscheidet, sollte man darauf achten, dass dies eher symbolisch geschieht und nicht ausartet. Die Hochzeitsgesellschaft wird bei diesem Brauch auseinandergerissen und auch der Alkoholkonsum kann die Stimmung sehr schnell kippen lassen.“ Auch bei den Maschkern-Aufführungen sei der Grad zwischen sehr lustig und peinlich sehr schmal. „Bei einer Hochzeit mit traditionellen Elementen ist weniger manchmal mehr. Daher ist es wichtig, dass man die Bräuche individuell auswählt und perfekt in den Hochzeitstag integriert. Zuviel des Guten kann durchaus ins Negative umschlagen!“, warnt die Expertin.

Und auch für Sylvia gehört zu einer traditionellen bayrischen Hochzeit mehr das Flair: „Das Wichtigste ist natürlich ein bayrisches Brautpaar. Dann auf jeden Fall auch ein bodenständiges bayerisches Hochzeitsmahl und auch das Ambiente der Hochzeitslocation sollte bayerisch sein. Idealerweise ist dann auch der Wirt ein g‘standner Bayer!“

Das A und O einer gelungenen Hochzeit: die Location

Locations mit passender traditioneller Atmosphäre gibt es in Bayern sicherlich viele. Doch was sind die Geheimtipps unserer Hochzeitsprofis? Sofie empfiehlt uns den Leeberghof am Tegernsee. „Der Blick über den See ist einfach nur wunderschön“, schwärmt sie, „doch prinzipiell kommt es natürlich immer ganz auf die Größe der Hochzeitsgesellschaft, die Jahreszeit und den Ablauf der Feier an!“. Auch Sylvia meint: „Die Location sollte in erster Linie immer zum Brautpaar passen. Bei traditionellen bayerischen Hochzeiten werden meiner Erfahrung nach auch eher die traditionellen bayerischen Wirtshäuser der Region gewählt.“ Ihre Top Vier Lokalitäten: Schindlbergalm, das Bavarresi („Schöne Tenne, toller Wirt!“), Buchscharner Seewirt („Tolle Lage am Starnberger See!“) oder aber auch die St. Emmeramsmühle mitten in München.

Wir bedanken uns bei Sofie Windsperger und Sylvia Bentele für das Interview und die interessanten Tipps zu bayrischen Hochzeiten.

 

Bild: kitty/shutterstock.com

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