Unkraut vergeht nicht! Der Trend zum Schrebergarten

Schrebergärten waren verpönt als Rentnerparadies, die Lauben galten als Villen der kleinen Leute. Doch in vielen Großstädten, auch in Bayern, liegen die Kleingärten wieder voll im Trend. Spießeridyll oder Ruheoase im Grünen? Immer mehr junge Familien bewerben sich um ein Stück vom Glück vom Großstadtgrün.

Garten Kinder

Gemeinsam „Garteln“ im Grünen.

Es gibt Zäune und Hecken, Alarmanlagen und Wasserpumpen. Alles ist hier scheinbar gleich. Manches ist gleicher als gleich. In den Beeten Salat- und Kräuterpflänzchen, sonnengereifte Tomaten an den Stauden, akkurat gestutzte Hecken und gedüngter Rasen: das ist die klischeehafte Vorstellung vom Schrebergarten. Trotz dieses peinlich biederen Bildes, finden immer mehr junge Menschen Wohlgefallen am „Wochenend-Garten“. Denn Zeit an der frischen Luft zu verbringen und bei einem kühlen Bier und Grillwurst zu entspannen, ist doch vieler Mann‘s und Frau‘s Sache! Die Stereotypen der giftigen Nachbarn sind längst überholt, auch wenn der eine oder andere Gartenzwerg doch noch zu finden ist.

„Wildnis“ in Geh- oder U-Bahnweite

Den größten Andrang gibt es im Süden Bayerns. Die Folge: ellenlange Wartelisten. „In München warten 1000 Kleingärtner auf eine Parzelle“, sagt Fritz Kapp, Vorstandsmitglied vom Kleingartenbund München. Je nach Anlage wartet man schon mal an die zehn Jahre. Pachtverträge werden grundsätzlich auf Lebenszeit geschlossen, da kann das eine Weile dauern, bis man Glück hat.

Früher waren Rentner klar in der Überzahl, doch immer mehr Familien mit Kindern pachten heutzutage einen der begehrten Flecken. Doch liegt das daran, dass die jungen Akademiker immer spießiger werden oder ist Ausspannen vom hektischen Alltag und Ruhe im Grünen wieder wichtiger geworden?

Viele Münchner, die in der Stadt wohnen, sind des Berufs wegen ins Stadtzentrum gezogen, aber mit Garten aufgewachsen und fühlen sich nur mit Natur um sich herum richtig glücklich. Wie zum Beispiel Katharina Lindemann, die lange überlegte mit ihrer Familie „zum Barfuss Laufen“ wieder aufs Land zu ziehen – und das obwohl sie das Stadtleben mit seiner Stimmung und der Zentralität genauso genießt.

Allerhand Nutzen der Fläche

Das Stückchen Natur ist unterschiedlich nutzbar und die Gründe, eine Parzelle zu pachten vielfältig. Rückzugsort, geeigneter Platz, um Bio-Gemüse anzubauen oder zum Spielen für den Nachwuchs: den Kleinen eine Schaukel ans Bäumchen hängen und ihnen das Gefühl von Fliegen verleihen – ein bisschen Landlust inmitten der Stadt.

Für viele ist der Garten jedoch auch eine Wohlfühl-Oase. Die Gartenhaus GmbH bietet beispielsweise Fass-Saunen an, mit denen man sich ein eigenes, luxuriöses Outdoor-Wellness-Spa einrichten kann. Sie passen durch ihre vorteilhafte Konstruktion bestimmt auch in die kleinste Parzelle. Im Winter sorgt der Schnee dann für eine wohltuende Abkühlung, im Sommer geht’s unter die Gartendusche oder ins Badefass. Dazu noch ein paar Liegen mit bequemen Polstern und Decken…die Entspannung ist perfekt!

Strenge Vorschriften

Doch es gibt auch Einschränkungen, nach Lust und Laune geht hier doch nicht alles. Als „sehr deutsch“ gilt das Bundeskleingartengesetz (BKleingG), das von allen Pächtern einzuhalten ist. Es gibt unter anderem Auskunft darüber, wie groß eine Laube sein darf und dass beispielsweise Obst- und Gemüseanbau Pflicht sind. Dennoch, so Fritz Kapp, „nehmen es die jungen Pächter nicht ganz so genau mit den Regeln. Früher war das besser.“ Doch auch die Älteren bestehen nicht mehr so pedantisch darauf. Die Rentnerin Marianne Schmelter, zweite Vorsitzende des Kleingartenvereins München West, ist für eine Änderung: „Na, es sind schon sehr strenge Vorschriften. Also das ist meine Ansicht. Man sollte das zeitgemäßer machen.“ Wer weiß, ob nicht die eine oder andere Missachtung einer Regel dazu geführt hat, das kleinkarierte Pächter- und Schrebergartenimage zu verbessern, damit wieder attraktiver und zum Trend gemacht hat.

Eine wichtige Regel für das Gärtnerglück ist und bleibt, dass das Grundstück vom Weg aus für alle einsehbar bleibt. Das kann von vielen als Raubbau an der Privatsphäre interpretiert werden, dennoch ist der Grund dafür: Persönlichkeit und Kontaktaufnahme. Die Nachbarn sollen nicht nur ein vorbeihuschendes Gespenst sein, von dem man nicht einmal weiß, wie es aussieht. Die Schrebergärten leben schließlich auch von der Community und man soll die Möglichkeit haben, seine Nachbarn zu kennen und ab und zu einen Plausch über die Holzpaneelen halten können.

Grünplatz für Freigeister

Es geht zwar nicht immer alles in den Anlagen, aber für so einiges geht’s absolut; für Barfusslaufen im Sommer, für die Freizeit, das leichte Landleben, das ungespritzte eigene Gemüse. Spießeridyll – Fehlanzeige.

Wie sagt man: Es kommt immer darauf an, was man daraus macht!

Am leuchtenden Sommermorgen
Geh ich im Garten herum.
Es flüstern und sprechen die Blumen,
Ich aber, ich wandle stumm.
– Heinrich Heine

Bild:shutterstock.com/wavebreakmedia

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